Financial Big Data

Wir haben bereits im zweiten Band unserer Philosophie auf die Bedeutung von Sparzins und Kapitalzins für die Wirtschaft ausführlich hingewiesen und wollen nun die Bedeutung der Börsen für die Digitalwirtschaft erarbeiten unter dem Gesichtspunkt des vollelektronischen Handels. Deshalb, weil uns ein Verständnis des vollelektronischen Handels einen direkten und, hoffentlich, richtigen Weg zu einem Verständnis der Künstlichen Intelligenz (KI) weist. Die europäischen Börsen kann man durchaus als Vorläufer einer systematisierten Datenverarbeitung , also von Big Data sehen. Jede Unternehmensbilanz, auch in Schriftform, kann als Datenverarbeitung betrachtet werden, so auch die Orderbücher der Börsen. Das Orderbuch ist im Börsenhandel ein vom Börsenmakler, Skontroführer oder Spezialisten geführtes Verzeichnis aller zu einem bestimmten Wertpapier vorliegenden Wertpapierorders und stellt damit die Grundlage für die Kursermittlung der an einer Börse gehandelten Effekten dar . Heute werden die Kurse an den Börsen fast ausschließlich elektronisch ermittelt und die Orders, die Kauf- oder Verkaufsaufträge nach Preis und Eingangszeitpunkt (bei einer Bank oder Börsen-Handelsplattform) kommen im elektronischen Handel automatisch zur Ausführung. Im elektronischen wie im alten Orderbuch setzt die Ermittlung eines Kurses eine Datenerfassung voraus, die durch Befugte ausgeführt wird; das sind Börsenmakler, Skontroführer oder Spezialisten. Sie sind gewissermaßen die Vorläufer der heute in den großen Digitalunternehmen, die digitale Services anbieten, als Assistenzsysteme etc. arbeitenden Clickworkers.

Betrachtet man die erfassten Daten nicht als Mengen oder Summen, sondern in ihrer zeitlichen bzw. zeitlich synchronisierten Form, als den Gesamtwert eines in einer bestimmten Periode gehandelten Wertpapiers, dann wird dies Orderbuchumsatz genannt; wir halten an dieser Stelle fest, dass ein Orderbuchumsatz eben keine Summe ist, sondern eine Summe in einer bestimmten Zeiteinheit oder Periode. Den Gesamtwert eines in einer bestimmten Periode gehandelten Wertpapiers nennt man also Orderbuchumsatz und der Orderbuchumsatz wiederum ist ein Maßstab für die Marktliquidität und Markttiefe sowie die Aktivität eines Wertpapiers und dient als Kriterium z.B. zur Aufnahme in den DAX oder die Einstufung im Xetra-Handel. Ein international gebräuchlicheres Synonym für den Begriff Orderbuchumsatz ist das Handelsvolumen, ein Aggregat aller Orderbücher.

Allein schon bis hierhin dürfen wir festhalten, die Börsen waren und sind bis heute jene Handelssysteme, die mit Fug und Recht als wohl die ersten großen Systeme der Datenverarbeitung genannt werden können, bedenkt man nur, dass viele Tausend Menschen bereits vor einhundert Jahren tagtäglich und oft mehrere Orders für unterschiedliche Aktien und andere Produkte im geregelten Markt ausgeführt haben, wobei ein kontinuierlicher Datenstrom, gebildet aus Kurswerten und Zeitangaben zusammengeführt worden ist. Kurswerte und Zeitangaben sind aufgezeichnet in Zahlen, die im vollelektronischen Handel in binären Zahlenreihen, also bestehend aus Null und Eins, aufgezeichnet werden. Es ist daher sinnvoll, eine kurze Weile sich mit Zahlen zu beschäftigen, um zu einem Verständnis zu kommen, was moderne Datenverarbeitung und KI im Kern bedeuten. Wir gehen daher ein wenig zurück in die Geschichte der Philosophie, als Philosophie (Metaphysik) und Mathematik noch nicht gänzlich getrennte Wege gegangen sind.